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Die Bilder des Gedenkens

25. Jahrestag des Solinger Brandanschlags


"Dem Hass muss Einhalt geboten werden." Mahnende Worte von Mevlüde Genç zum 25. Jahrestag des Solinger Brandanschlags. Die heute 75-jährige verlor in der Nacht des 29. Mai 1993 fünf Angehörige, als Rechsradikale das Haus der Familie an der Unteren Wernerstraße 81 in Brand setzten. Trotz der entsetzlichen Tat habe sich Mevlüde Genç immer wieder für Versöhnung eingesetzt, betonten Bundeskanzlerin Merkel und NRW-Ministerpräsident Laschet bei der Gedenkfeier in der Düsseldorfer Staatskanzlei.

Und so lief der Jahrestag in Solingen ab:

500 Schüler setzen Zeichen gegen Rassismus


Den Auftakt bildete am Dienstagmittag ein Sternmarsch von Solinger Schülern. Vom Rathausplatz und Südpark zogen sie in zwei Gruppen zum Neumarkt, um gemeinsam ein Zeichen gegen Rassismus und für Toleranz zu setzen. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 500 Jugendliche daran teil. Auf ihren Plakaten waren Sätze wie "Gedenken statt Vergessen" oder "Hass ist krass, Liebe ist krasser" zu lesen.

Das Treffen der Außenminister


Am Nachmittag ging es dann in Merscheid am Brandanschlags-Mahnmal weiter. Kurz nach 15 Uhr trafen Außenminister Heiko Maas und sein türkischer Kollege Mevlüt Çavuşoğlu vor dem Mildred-Scheel-Berufskolleg ein. Çavuşoğlu war zuvor bereits in Düsseldorf bei der Gedenkfeier in der NRW-Staatskanzlei, an der auch Bundeskanzlerin Merkel teilgenommen hatte. Vor dem Mahnmal am Mildred-Scheel-Berufskollegs, das eines der Brandanschlagsopfer früher besucht hatte, hielten die beiden Außenminister gemeinsam inne, begleitet vom Klicken zahlreicher Fotografen.

Protest gegen Cavusoglu


Insgesamt rund 400 Polizisten waren am Jahrestag in Solingen im Einsatz. Der hochrangige Besuch machte den Bereich rund um das Mahnmal zur Hochsicherheitszone. Auf der gegenüberliegenden Kreuzung protestierten rund 70 Demonstranten mit dem Aktionsbündnis "Kein Rederecht für Çavuşoğlu" gegen den Auftritt des türkischen Staatsministers. Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner so ahnen konnte: Die mit Spannung erwartete Rede fand letztlich gar nicht statt...

Gedenkfeier: Weniger Besucher als erwartet


Mit bis zu 4.000 Besuchern hatte die Stadt Solingen vorab bei der von ihr organisierten zentralen Gedenkfeier am Mahnmal gerechnet. Letztlich kamen nach Schätzungen der Polizei rund 600 Menschen, darunter auch zahreiche Journalisten aus Deutschland und der Türkei. Die Veranstaltung war eigentlich für 16.00 Uhr angekündigt. Nachdem sich die beiden Außenminister zwischenzeitlich nochmal zurückgezogen hatten, ging es letztlich aber erst mit 15-minütiger Verzögerung los.

Kurzbach: Eine Verpflichtung, daran zu erinnern


Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach eröffnete die Gedenkveranstaltung. Für den Brandanschlag gelte "damals wie heute, dass die Menschen in Solingen diese sinnlose Tat nicht verstehen konnten und können." In der Stadt sei in der Zeit danach viel für Integration getan worden. Mit Blick auf die gegenwärtige politsche und gesellschaftliche Stimmung in Deutschland forderte Kurzbach aber auch, dass von "diesem 25. Jahrestag des Brandanschlages eine deutliche Warnung ausgehen" müsse. Es sei geradezu eine Verpflichtung, daran zu erinnern, was passiert, wenn sich verantwortungslose Worte verselbständigen.

Gewitter sorgt für vorzeitigen Abbruch


Während Kurzbach und NRW-Integrationsminister Stamp sprachen, setzte kräftiger Regen ein und ein schweres Gewitter zog über Solingen. Die geplante Schweigeminute wurde noch abgehalten, dann aber kam Stadtsprecher Lutz Peters auf die Bühne und verkündete, dass die Gedenkfeier wegen der gefährlichen Wetterlage abgebrochen werden muss. Alle Besucher wurden aufgefordert, den Platz zu verlassen und sich in Sicherheit. Die restlichen Programmpunkte und damit auch mit Spannung erwartete Rede des türkischen Außenministers mussten ersatzlos entfallen.

Stilles Gedenken am Abend


Gegen 18 Uhr hatte sich das Wetter dann wieder etwas beruhigt. Das von der Ditib-Gemeinde organisierte stille Gedenken an der Unteren Wernerstraße, dem Ort des Brandanschlags, konnte daher stattfinden. Auch die Angehörigen der Familie Genç nahmen daran teil. Nach einer Koranrezitation sprach erneut OB Kurzbach zu den hier rund 150 Teilnehmern. Gemeinsam gedachte man der fünf jungen Mädchen und Frauen, die bei dem Brandanschlag auf ihr Haus am Pfingstsamstag 1993 ums Leben kamen. Anschließend ging es in der Evangelischen Stadtkirche am Fronhof weiter. Mit einem interreligiösen Gebet, dem gemeinsamen Fastenbrechen, der Verleihung des Zivilcouragepreises "Silberner Schuh" und einem abschließenden Schweigemarsch ging der 25. Jahrestag zu Ende.

FOTOGALERIE

Bilder: Giulia Mühlhaus / Dorena Fluck

25. Jahrestag Solinger Brandanschlag 29.05.2018

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